Memoire Projects

Wie wir arbeiten

Als gemeinnütziges Unternehmen realisieren wir unterschiedliche Projekte, um das biografische Wissen unserer Zeit möglichst vielfältig und allgemeinverständlich zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen biografische Filminterviews, mit denen wir die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“, die durch das Zusammenleben der Generationen entsteht, einfangen und als Panorama darstellen wollen. In einzelnen Webdokumentationen zoomen wir Details des Panoramas jener biografischen Landschaft, die uns umgibt, nah heran.

Das narrative biografische Interview

Bei all unseren Projekten – sei das ein Langzeitprojekt wie Memoire oder ein zeitlich befristetes, thematisch eng gefasstes Projekt wie 1968 in Mannheim – spielt das narrative biografische Interview die entscheidende Rolle; das offene Zeitzeugengespräch ist das Prisma, durch das wir Geschichte erfassen und im Spektrum der persönlichen Geschichten darstellen möchten.

Im Unterschied zu anderen Interviews werden narrative Interviews so offen wie möglich geführt. Der interviewten Person soll so viel Raum wie möglich gegeben werden, um ihre individuelle Sicht zu entfalten und dies mit eigenen Worten zu tun. Das hat einerseits zur Folge, dass solche Interviews vergleichsweise lang dauern können. Gespräche, die zwischen einer und vier Stunden oder mehr dauern, sind keine Ausnahme.
Anders, als das in einem Gespräch der Fall wäre, das nach einem festen Abfrageschema verläuft, ist ein narratives Interview nach unterschiedlichen Gesprächsetappen untergliedert. Am Anfang steht eine Einstiegsfrage, die es der interviewten Person erleichtern soll, in die Erzählung zu finden bzw. die zum Erzählen animiert. Durch behutsames Nachfragen und zurückhaltende Anregungen, ob der Erzähler vielleicht bestimmte Aspekte weiter ausführen möchte, soll er durch den Interviewer motiviert werden, möglichst ausführlich seine Sicht auf das Gesprächsthema zu entfalten. Ist diese Episode des Gesprächs abgeschlossen, weil z. B. dem Erzähler nichts mehr einfällt oder er eine Pause benötigt, dann besteht die Möglichkeit, eine zweite Episode einzuleiten, indem man nun – so heißt es in der Fachsprache – den „inneren Gesprächskontext“ miteinander thematisiert und reflektiert. Gab es in der ersten Gesprächsepisode Passagen, in denen die Erzählung eine besondere Dynamik entwickelt hat oder auch solche, in denen sie ins Stocken geriet, weil z. B. die Chronologie von Ereignissen unklar wurde, so besteht hier die Möglichkeit, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Gründe jeweils das eine oder andere haben könnte. Zu diesem Zwecke, um also später solche Passagen erneut aufgreifen zu können, macht sich der Interviewer während der ersten Gesprächsepisode Notizen.
Eine dritte Episode kann durch die Thematisierung des „externen Gesprächskontextes“ eingeleitet werden. Weil die biografische Perspektive, um die es in narrativen Interviews geht, immer auch zusammenhängt bzw. mit äußeren, geschichtlichen Ereigniszusammenhängen vermittelt ist, gibt es also auch einen „externen Kontext“. Nicht alles, wovon z. B. in der Presse oder im Fernsehen berichtet wird, ist für uns alle gleichermaßen relevant. Trotzdem ist es interessant, darüber zu sprechen, weshalb das eine oder andere davon keine persönliche Bedeutung erhält, während anderes überaus bedeutungsvoll wurde. Fiel dem Interviewer in der ersten und zweiten Gesprächsepisode beispielsweise auf, dass ein bestimmtes historisches Ereignis in der Erzählung gar nicht auftauchte, dann besteht hier abermals die Möglichkeit, gemeinsam darüber nachzudenken, was das zu bedeuten haben könnte.

Quellen- und Bestandserschließung

Für all unsere Projekte ist, neben dem Fokus auf die Oral History, charakteristisch, dass wir die individuellen und subjektiven Erzählungen um solche historische Quellen und Bestände erweitern möchten, die über die subjektive Sichtweise hinausgehen.

Das schließt – je nach Projektzusammenhang – historische Presse-, Bild- und Schriftdokumente ebenso mit ein wie Autographen oder historische Alltagsgegenstände. Solche Quellen und Bestände, die jeweils auch mit Kommentierungen versehen werden, müssen in Archiven erst erschlossen werden. Und zu diesem Teil unserer Arbeit gehört auch die Klärung von urheber-, persönlichkeitsschutz- und verwertungsrechtlichen Fragen sowie die Einholung von Lizenzen.

Archivierung

Unsere Projekte sind ausschließlich digital, was bedeutet, dass wir nicht mit physikalischen Beständen arbeiten. Gleichzeitig archivieren wir die Daten, die wir selbst produzieren und sammeln – das sind im wesentlichen Filme von Zeitzeug/innen-Interviews sowie Digitalisate von Archivbeständen und Gegenständen – und müssen von daher Sorge dafür tragen, dass diese Daten über lange Zeiträume aufbewahrt und verfügbar gemacht werden können. In den Bereich der Archivarbeit fallen deswegen nebst der datenschutzrechlichen Sicherung der Bestände auch Aufgaben wie die Sicherung der Nachhaltigkeit und die Sorge dafür, dass die Bestände mit den jeweils aktuellen Datenverarbeitungssystemen langfristig auffindbar und einzusehen sind. Zu diesem Zwecke kooperieren wir mit Experten der entsprechenden Domänen, die uns mithin in Fragen der Programmierung, Datensicherung und der rechtlichen Bestimmungen beraten und selbiges teilweise auch für uns umsetzen.

Aufbau und Pflege von Netzwerken

Alleine für ein Langzeitprojekt wie Memoire ist, um es umzusetzen, neben den konzeptuellen und archivarischen Arbeiten der Aufbau, die Pflege und Betreuung eines institutionellen Netzwerks notwendig. Im gesamten Bundesgebiet möchten wir Kooperationen zwischen Hochschulen für Gestaltung und Sozialwesen anregen, um Interviewer-Teams zu bilden, die Interviews vorzubereiten und durchzuführen und Filme auf hohem technischen Niveau zu produzieren. Zur Betreuung der Hochschulnetzwerke zählt auch die Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Interviews vor Ort.
Auch ein regional begrenztes Projekt wie 1968 in Mannheim ist nur durch Kooperation mit überregionalen Partnern wie Archiven oder Verbänden möglich, sodass wir auch hierfür die jeweils projektspezifisch notwendigen Strategien und Konzepte erarbeiten und die Umsetzung organisieren und begleiten.

Akquise

Auch die Finanzierung jedes unserer Projekte muss individuell geplant und umgesetzt werden. In den Bereich der Akquise fällt also die jeweils projektspezifische Erstellung der Kosten- und Finanzierungspläne sowie die Umsetzung von Antragsstrategien zur erfolgreichen Einwerbung der notwendigen Mittel. Da wir ein gemeinnütziges Unternehmen sind und uns mithin nicht durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen finanzieren – jedes unserer Projekte wird unentgeltlich und frei sein – sind Kulturstiftungen und –verbände für uns wichtige Finanzierungsträger. Doch ebenso wichtig sind Spenden und Investitionen für uns. Sollten Sie Memoire Projects mit einer Spende unterstützen wollen, finden Sie unsere Bankverbinung im Impressum. Falls Sie sich für Investitionsmöglichkeiten interessieren oder sonstige Fragen haben, schreiben Sie uns einfache eine E-Mail (info@memoire-projects.org).

Anmerkung

Wir verwenden in unseren Texten das generische Maskulinum aus Gründen der Lesbarkeit und distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Form der Diskriminierung.