Memoire Projects

MEMOIRE

Digitales Archiv für lebendige Erinnerung

OSU Special Collections & Archives

Unser Langzeitprojekt Memoire zielt auf die Erstellung eines digitalen Archivs für ausführliche biografische Filminterviews mit Angehörigen der Geburtsjahrgänge 1915-2002. Damit möchten wir das lebendige Gedächtnis unserer Zeit einfangen und es nachhaltig verfügbar machen. Gleichzeitig erweitern wir die Filminterviews um Digitalisate von Presseartikeln, Autographen und andere Archivbestände, die jeweils die individuelle Erinnerung um eine überindividuelle Perspektive erweitert. So setzen wir jedes Einzelinterview in einen historischen Kontext und bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, die allgemeine Perspektive und die individuelle, biografisch vermittelte Sichtweise miteinander zu vergleichen und die Quellen zu prüfen.

Die Filminterviews werden nicht geschnitten aber digital sequenziert und verschlagwortet. So ist es technisch möglich, Gesprächssequenzen in allen Interviews, die auf ein bestimmtes kalendarisches Jahr Bezug nehmen, auch in einer Jahrgangsschicht abzulegen. Was die Nutzung Memoires betrifft, wird es in dieser Hinsicht möglich, die Erinnerungen von Angehörigen unterschiedlicher Geburtsjahrgänge, die auf ein kalendarisches Jahr Bezug nehmen, miteinander zu vergleichen. In der Spanne von 87 Geburtsjahrgängen werden damit auch Generationenquerschnitte gezogen. Es wird mitunter dokumentiert, wie sich Generationen bilden und abgrenzen, indem die unterschiedlichen Haltungen und Einstellungen der jeweiligen Geburtsjahrgänge zu denselben historischen Ereignissen zunehmend deutlich werden. Dennoch haben Zuschauer und Zuschauerinnen auch die Möglichkeit, in einem einzelnen Interview zu bleiben (anstatt zwischen Sequenzen zu wechseln). Er oder sie hat ebenfalls die Möglichkeit, sich jene Gesprächssequenzen und Digitalisate anzusehen, die unter einem Schlagwort angeboten werden – so z. B., wie sich Mitglieder unterschiedlicher Geburtsjahrgänge, die zudem über verschiedene Bildungshintergründe verfügen, sich in ihrer Schichtzugehörigkeit ebenso unterscheiden wie in Hinblick auf ihren Glauben und ihre geschlechtliche Identität, jeweils zu einem Thema wie „Familie“ äußern und wie dieses Thema jeweils historisch unterschiedlich thematisiert wurde –, wie selbstverständlich auch die Möglichkeit besteht, eigene Schlagwortsuchen in Memoire durchzuführen.

Die alltagsnahe Sprache und der subjektiv geprägte Zugang sollen für Menschen, denen eine Beschäftigung mit Geschichte und Gesellschaft zu abstrakt oder verschult erscheint, die Barrieren herabsetzen, es dennoch zu versuchen. Zu diesem Zwecke erhält Memoire zudem eine möglichst einfach zu handhabende Benutzeroberfläche. Angeboten werden zunächst Videosequenzen, die nach Erinnerungsjahrgängen geordnet sind, beginnend mit den ältesten und dann aufsteigend. Sobald eine Sequenz abgerufen wird, besteht die Möglichkeit, sich den ganzen Film anzusehen oder zwischen den Einzelsequenzen eines Erinnerungsjahrgangs zu wechseln. Ebenfalls werden Schlagwortangebote eingeblendet, sodass die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit der Schlagwortsuche gelenkt wird. Die den Filmen zugeordneten Digitalisate werden ebenfalls in einer Spalte angeboten. Von jeder Darstellungsweise ist es unkompliziert möglich, wieder zurück in die Ausgangsdarstellung zu finden. Weil die Interviews aber zugleich methodengeleitet geführt werden – es handelt sich um narrative Interviews –, verfügen sie über eine entsprechende Güte, um auch wissenschaftlich genutzt werden zu können.

Der Prototyp von Memoire wird auf der Grundlage von 243 Videointerviews erstellt, die im gesamten Bundesgebiet hochqualitativ und mit hoher Bildauflösung gefilmt werden. Hierzu werden an fünf Hochschulstandorten Kooperationen jeweils zwischen einer Hochschule für Gestaltung und einer für Sozialwesen vermittelt, sodass im Radius von etwa 100km um den Hochschulstandort Interviewpartner/innen ermittelt und besucht werden können. Das Projekt wird stiftungs- und investorenfinanziert sein, wobei auch teilweise Eigenfinanzierungen durch die Hochschulen mit einbezogen werden können. Ebenfalls wird eine Finanzierung durch Wissenschaftsfonds angestrebt.

Auf der Grundlage dieses Prototyps soll es langfristig möglich sein, sowohl das Archiv mit weiteren Interviews aus dem Bundesgebiet aufzufüllen, als auch technisch analoge Archive in anderen Sprachräumen aufzubauen, die miteinander zu vernetzen wären. Um Impulse in diese Richtung zu setzen, werden alle Beiträge auf Memoire englisch untertitelt oder übersetzt.

Sollten Sie detaillierte Fragen zu diesem Projekt und seiner Konzeption haben, so beantwortet sie Ihnen gerne Alex Aßmann.
assmann@memoire-projects.org

Bildquelle: OSU Special Collections & Archives