Memoire Projects

1968 in Mannheim

Ein Jahr wird besichtigt

Ludwig Binder / Haus der Geschichte

Das Jahr 1968 ist zu einer Chiffre geworden, unter der das kulturelle Gedächtnis höchst Unterschiedliches abruft: Westberliner Studentenproteste und die Gesichter von prominenten Anführern der Außerparlamentarischen Opposition (APO) ebenso wie Koryphäen der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, so z. B. Martin Luther King; Demonstrationen gegen den Krieg in Vietnam genauso wie die Mode und Musik der Hippies und die spätere Gründung der RAF.
Nicht nur scheinen sich unter der Chiffre „1968“ der globale und der lokale Maßstab zu überlagern, sondern auch solch gegensätzliche Phänomene wie Friedliebe und Harmonie auf der einen Seite, Konfliktbereitschaft und Gewalt auf der anderen.
Es ist außerdem eine ganze Generation, die wir mit 1968 assoziieren, während die gesellschaftlichen Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozesse, von denen nicht nur im Bereich der Erziehung nach ’68 die Bundesrepublik mit am deutlichsten profitiert hat, uns bisweilen nur schwierig fassbar erscheinen. Dabei markiert 1968 vor allem den Zenit einer globalen Protestbewegung, die Anfang bis Mitte der 60er-Jahre begann und sich weit vor dem Ende des Vietnamkriegs 1975 schon längst wieder verlaufen hatte in einem undurchdringlichen Geflecht von Einzelbewegungen. Dennoch war die Protestbewegung in Deutschland folgenreich.

Die Stadt Mannheim stand nicht im Zentrum des Studentenprotests. Sie war keine der APO-Metropolen, wie z. B. Berlin oder später auch Frankfurt/Main. Dennoch ist „1968“ auch an ihr nicht vorbeigegangen. Und die meisten der Themen, welche die Studentenrevolte bewegten oder die sie erst etablierte, wurden auch in Mannheim aufgegriffen – manche davon sogar prägnanter als andernorts, während andere Themen eher unbedeutend schienen –, politischer Protest, Jugendpolitisierung und das Aufbegehren gegen öffentliche Autoritäten spielte auch hier eine Rolle.

Unsere Webdokumentation mit dem Titel 1968 in Mannheim: Ein Jahr wird besichtigt reflektiert die Protestbewegungen, die sich auch in Mannheim entwickelten, im Verhältnis zum Verlauf der Protestbewegung im Allgemeinen.

Den Hintergrund bilden dabei sechs Themenfelder, die für „1968“ entscheidend waren und sind:

1. Erziehung
2. Gender
3. (Sub)Kultur
4. Militanz
5. Theorien
6. Politische Programme

Unter jeder dieser Kategorien fragen wir, wie sich in Mannheim zu den jeweiligen Themen neue Haltungen in der jungen Generation zeigten, ziehen aber auch den Vergleich zu anderen Städten zur gleichen Zeit. Digitalisierte Archivbestände aus dem gesamten Bundesgebiet, die sowohl den Bezug zu Mannheim herstellen als auch das Gesamtbild verdeutlichen, können jeweils dazu eingesehen werden, Texte erläutern die Zusammenhänge, aber auch Audio- und Filmdateien sind abrufbar.

Die Webdokumentation soll 2018 fertig produziert und frei im Netz zugänglich sein. Im Vordergrund stehen ausführliche biografische Filminterviews mit drei 1938-1952 geborenen Männern und Frauen, die 1968 in Mannheim lebten, sich damals mit den politischen Zielen der APO identifizierten, deren politische Biografien jedoch in den darauffolgenden Jahrzehnten unterschiedlich verliefen.

So lassen sich diese biografischen Gespräche vor den historischen Hintergründen sehen. Verschlagwortung und Suchfunktionen erlauben es, die Erzählungen nicht nur im Kontext zu sehen, sondern sie auch en Detail zu betrachten.

Für diese Produktion steht uns die Beantragung von Mitteln bei Trägern der Film- und Medienförderung ebenso frei, wie wir zusätzlich eine regionale und überregionale Stiftungsfinanzierung sowie Kooperationen mit Kulturträgerschaften anstreben. Eine Teilfinanzierung mancher Finanzposten im Produktionsplan durch Spenden ist ebenfalls möglich. Wenn Sie Interesse an dem Projekt und weitere Fragen zum Finanzierungsplan und der Konzeption haben, so wenden Sie sich gerne an:

Mathias Freymuth
freymuth@memoire-projects.org